Plötzlich heiße ich Fridolin
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Plötzlich heiße ich Fridolin – ich weiß eigentlich gar nicht warum? Na ja, jedenfalls, ich glaube es war an einem Sonntag, bin ich herumgeirrt und war auf einmal auf einem Katzeltrampelpfad, Vielleicht treffe ich je einen Kumpel, also bin ich dort langgelaufen, durch einen schönen Garten, auf einmal stand ich auf einer Terrasse, wo es sich zwei Omis bequem gemacht hatten. Da hörte ich, wie die eine sagte, guck, da kommt dein Felix, die andere Omi guckte mich an und meinte, der ist doch nicht kastriert. Was immer das auch ist, jedenfalls war ich deshalb auch nicht der Felix, auf den die Oma nun schon viele, viele Wochen wartet. Mir war das egal, ich hatte einen Riesenhunger und bin direkt auf die zwei zugelaufen und hab mich von meiner besten Seite gezeigt. Ich habe so lange gebettelt, bis ich endlich was zum Schlemmen hatte. Das war herrlich und ich wollte immer mehr, ich wurde einfach nicht satt. Irgendwann bin ich dann doch wieder fort, aber weil es dort so schön war und ich immer noch so großen Hunger hatte, bin ich jeden Tag wieder hin. Ich habe jedes Mal was bekommen, nur die komischen harten Dinger konnte ich nicht essen, nur das weiche Futter. Ich habe immer wieder versucht, zur Terrassentür reinzukommen, aber ins Haus durfte ich nicht. Ich habe sogar mal den Türdrücker runtergekriegt, aber es war leider zugeschlossen. Dann kam auch noch eine jüngere Frau, die meinte, dass die Omi mich nicht füttern soll, weil ich sonst gar nicht wieder weggehe und dass ich einen schiefen Kiefer habe und deshalb auch die harten Dinger nicht essen kann. Aber die Omi hatte Mitleid mit mir, weil ich wohl auch etwas abgemagert war. Mir hat es dort so gut gefallen, dass ich mich den ganzen Tagen im Garten und auf der Terrasse aufgehalten habe und die Frauen haben gesagt, dass ich ein ganz Lieber bin, vor allem die ganz junge Frau, ich glaube, die heißt Silke. Eines Tages aber kamen zwei Männer und als ich die blöde Kiste sah, bin ich einfach ausgerissen. Zwei Tage später waren die Männer und auch die Kiste wieder da und da bin ich in Panik geraten und hab die Omi ganz toll gekratzt, das wollte ich wirklich nicht, aber ich bin jedenfalls wieder abgehauen und hab mich den ganzen Tag nicht blicken lassen. Abends kam dann der blöde Hunger wieder und ich bin wieder hin. Da stand sogar schon was für mich dort und am morgen durfte ich sogar ins Haus, das hat mir vielleicht gefallen. Aber ich hätte mir denken können, dass da was nicht stimmt, denn die zwei Männer waren mit Ihrer Kiste auch ins Haus gekommen und da habe ich einfach aufgegeben. Ich habe mich von meiner Omi verabschiedet und bin direkt zu den Männern in die Kiste. Jedenfalls bin ich im Tierheim gelandet, wo mich der Doktor untersucht hat und dann bin ich einfach eingeschlafen. Als ich wieder aufgeweckt bin, war ich auch kastriert und ich habe gehört, dass ich ungefähr 10 Jahre alt bin. Eigentlich war es dort ganz schrecklich, weil ich in einem kleinen Käfig bleiben musste, mit einem Clo und den harten Dingern, die ich sowieso nicht essen konnte. Nach zwei Tagen aber hat mich die Silke besucht, da habe ich sie ganz traurig angeguckt und miaut. Ich glaube, das hat gewirkt, denn am nächsten Tag hat sie mich wieder rausgeholt und nach einer Autofahrt, die mir eigentlich gefallen hat, war ich wieder bei meiner Omi auf der Terrasse. Alle haben sich riesig gefreut, aber am meisten natürlich ich. Mir geht es jetzt richtig gut, aber ins Haus darf ich immer noch nicht, weil dort ja eigentlich die Susi die Herrin ist, und dann gibt’s ja auch den Felix, der Sohn von der Susi, der aber immer noch weg ist. Jedenfalls bin ich glücklich, auch wenn sie mich Fridolin, auch manchmal Frido, nennen.
Verfasserin: Petra Haase
