Langschwanzkatze
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Über das Leben der Langschwanzkatze in freier Wildbahn wissen wir noch weniger als über das des Ozelots. Bekannt ist lediglich, dass die Langschwanzkatze fast ihr ganzes Leben im Geäst der Bäume, hoch über dem Waldboden, verbringt. Deshalb - und wegen ihrer grossen Ähnlichkeit mit dem Ozelot - wird sie häufig auch «Baumozelot» genannt. Beobachtungen des deutschen Katzenforschers Paul Leyhausen an gefangen gehaltenen Langschwanzkatzen zeigen, dass diese Tiere «Kletterakrobaten» sondergleichen sind: Spiralig um einen Baum rasen, wie ein Faultier mit allen vieren unter einem Ast entlang hangeln, nur an einem Bein von einem Ast herunterhängen, kopfvoran wie ein Eichhörnchen einen senkrechten Baumstamm hinunterlaufen - all dies tut die Langschwanzkatze mühelos. Bei all diesen «Kunststückchen» ist natürlich der lange Schwanz als Balancierhilfe sehr dienlich. Auch das im Vergleich zum Ozelot geringere Gewicht und die längeren Gliedmassen sind zweifellos Anpassungen an das Baumleben. Wie der Ozelot schläft die Langschwanzkatze tagsüber. Nachts geht sie dann in den Baumkronen auf Jagd nach Hörnchen, Beutelratten, Affen, Vögeln, Baumfröschen und grossen Insekten. Aus Zuchten in Gefangenschaft weiss man, dass das Langschwanzkatzen-Weibchen gewöhnlich ein bis zwei Junge nach einer Tragzeit von ungefähr 80 Tagen zur Welt bringt.
Für Pelzmäntel mussten Hunderttausende ihr Leben lassen
Angesichts ihres ausgedehnten Verbreitungsgebiets und ihrer - zumindest im Falle des Ozelots - beachtlichen Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lebensräume sollte man eigentlich annehmen, dass Ozelot und Langschwanzkatze in ihrem Bestand kaum gefährdet sind. Leider ist das nicht so. Beiden Arten machen die Zerstörung ihres Lebensraums und die Bejagung ihres hübschen Fells wegen arg zu schaffen.
So nützlich sich der «Tarnanzug» von Ozelot und Langschwanzkatze am Ruheplatz und auf der Jagd erweist, so schädlich hat er sich für seine Träger ausgewirkt, als in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts Pelzmäntel aus Katzenfellen in Mode kamen. Die Nachfrage war riesig, die Preise dementsprechend hoch, so dass die zumeist arme Bevölkerung der mittel- und südamerikanischen Länder alles daran setzte, die hübschen Tiere auch in den abgeschiedensten Winkeln ihres Verbreitungsgebiets aufzustöbern. Die Bilanz war erschreckend: Im Jahr 1969 importierten beispielsweise allein die USA sage und schreibe 133 069 Ozelotfelle aus Südamerika! Kein Wunder waren Ozelot und Langschwanzkatze schon bald in manchen Regionen ihres Verbreitungsgebiets vollständig ausgerottet und vielerorts äusserst selten geworden.
Glücklicherweise hat sich die Situation in den letzten zehn Jahren etwas gebessert. Internationale Handelsbeschränkungen, ausgelöst vor allem durch das Internationale Abkommen über den Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten (CITES) von 1973, haben zu einem Rückgang der Nachfrage im internationalen Pelzhandel geführt. Gleichzeitig haben die Tier-, Natur- und Umweltschutzorganisationen in den wohlhabenden Staaten mittels aufwendiger Informationskampagnen erreicht, dass heute eine breite Öffentlichkeit das Tragen von Pelzmänteln nicht mehr akzeptiert. Dies hat die Nachfrage nach Pelzen weiter gesenkt. Hinzu kommt, das viele mittel- und südamerikanische Länder in jüngerer Zeit begonnen haben, ihre Naturschutzgesetze wirksam zu vollziehen, so dass die Bejagung der Raubkatzen und der Handel mit ihren Fellen auch in ihren Heimatländern stark abgenommen haben.
Es wäre allerdings falsch zu glauben, dass die Bejagung von Ozelot und Langschwanzkatze praktisch zum Erliegen gekommen ist. In Fachkreisen ist man sich im klaren darüber, dass es noch immer einen beträchtlichen illegalen Handel mit den Fellen der bedrängten Tiere gibt und dass weiterhin grosse Anstrengungen nötig sind, um dieses unselige Geschäft endgültig zu stoppen.
Was den beiden hübschen Kleinkatzen heute zusätzlich und in zunehmendem Masse zu schaffen macht, ist die Zerstörung ihrer südamerikanischen Waldheimat durch den immer weiter vordringenden Menschen. Fast überall in Mittel- und Südamerika werden Jahr für Jahr weite Urwaldgebiete gerodet, um landwirtschaftliche Nutzflächen, Weideland und wertvolle Edelhölzer zu gewinnen. Die Langschwanzkatze, die als Baumbewohnerin auf ein möglichst geschlossenes Kronendach angewiesen ist, leidet hierunter natürlich ganz besonders. Der Ozelot ist als Bodenbewohner weniger auf geschlossene Waldungen angewiesen und vermag darum Veränderungen seines Lebensraums eher zu ertragen. Wo aber die Pflanzendecke vollständig vernichtet wird, wie dies vor allem in Mittelamerika noch viel zu häufig geschieht, hat auch er keine Überlebenschance. Für die langfristige Erhaltung von Ozelot und Langschwanzkatze - und mit ihnen unzähliger weiterer neotropischer Tiere und Pflanzen - ist darum die Ausweisung ausgedehnter Wälder als Naturschutzgebiete von grösster Bedeutung.
Mit freundlicher Genehmigung von Zoologe Markus Kappeler
