Löwe

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Der Löwe (Panthera leo)Kein anderes Raubtier hat den Menschen von alters her so beeindruckt wie der Löwe - der vielzitierte «König der Tiere». Was ist es denn, was den Löwen so majestätisch macht? Zu nennen ist wohl in erster Linie die prächtige Mähne, welche Kopf und Vorderleib des Löwenmannes umwallt. Sie verleiht ihm - zusammen mit dem ruhigen Blick aus den riesengrossen Bernsteinaugen - einen höchst würdevollen Ausdruck. Beeindruckend ist aber auch sein an den Donner erinnerndes Gebrüll, das zumeist nachts erschallt und mehrere Kilometer weit hörbar ist. Wie furchterregend muss dieses durch Mark und Bein dringende Gebrüll dem früheren Menschen erschienen sein, der nur mit Pfeil und Bogen oder mit der Lanze bewaffnet unterwegs war!
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Der Löwe (Panthera leo)Kein anderes Raubtier hat den Menschen von alters her so beeindruckt wie der Löwe - der vielzitierte «König der Tiere». Was ist es denn, was den Löwen so majestätisch macht? Zu nennen ist wohl in erster Linie die prächtige Mähne, welche Kopf und Vorderleib des Löwenmannes umwallt. Sie verleiht ihm - zusammen mit dem ruhigen Blick aus den riesengrossen Bernsteinaugen - einen höchst würdevollen Ausdruck. Beeindruckend ist aber auch sein an den Donner erinnerndes Gebrüll, das zumeist nachts erschallt und mehrere Kilometer weit hörbar ist. Wie furchterregend muss dieses durch Mark und Bein dringende Gebrüll dem früheren Menschen erschienen sein, der nur mit Pfeil und Bogen oder mit der Lanze bewaffnet unterwegs war!
  • Gesamtlänge: 210 - 330 cm
  • Schwanzlänge: 70 - 105 cm
  • Schulterhöhe: 75 - 115 cm
  • Gewicht: 120 - 250 kg
  • Tragzeit: 100 - 116 Tage
  • Wurfgrösse: 1 - 6, meist 2 - 3 Junge
  • Geburtslänge: 40 - 55 cm
  • Geburtsgewicht: 1200 - 1500 g
  • Höchstalter: frei 16 - 20 Jahre, im Zoo bis 34 Jahre

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Löwe
Löwe

Nach dem Tiger ist der Löwe die zweitgrößte Katze und damit das grösste Landraubtier Afrikas. Ein Löwenmännchen hat eine Kopfrumpflänge von 180 Zentimetern, eine Schulterhöhe von etwa 120 Zentimetern und eine Schwanzlänge von rund einem Meter. Ausgewachsene männliche Tiere kommen auf ein durchschnittliches Körpergewicht von 225 Kilogramm. Weibchen sind mit 160 Zentimetern Kopfrumpflänge, einer Schulterhöhe von 100 Zentimetern, einem 85 Zentimeter langen Schwanz deutlich zierlicher und haben ein Körpergewicht von rund 150 Kilogramm. Die größten Löwen leben im südlichen Afrika, die kleinsten in Asien.

Löwen haben ein kurzes, gelb-golden bis dunkelbraun gefärbtes Fell, männliche Exemplare zudem eine lange Mähne, die meist dunkelbraun ist, aber auch schwarz, hellbraun oder rotbraun sein kann. Diese Mähne breitet sich von den Wangen bis über die Schultern aus, seltener über Bauch und Brust. Ihr Sinn liegt wahrscheinlich darin, dass sie die Tiere größer und für Futterkonkurrenten bedrohlicher erscheinen lässt. Praktischen Nutzen könnte die Mähne als Schutz gegen Prankenhiebe bei Rangkämpfen rivalisierender Männchen haben. Außerdem ist durch Felduntersuchungen nachgewiesen worden, dass Männchen mit besonders dunkler und großer Mähne mehr Erfolg beim Gewinnen eines Weibchens haben. Bei asiatischen Löwen ist die Mähne weniger deutlich ausgeprägt als bei ihren afrikanischen Artgenossen. Jungen Löwen fehlt sie ganz. Es dauert über fünf Jahre, bis ein Löwenmännchen eine voll ausgebildete Mähne hat.

Auffällig ist außerdem die schwarze Schwanzquaste, in der sich ein zurückgebildeter Wirbel befindet (Hornstachel).

Junge Löwen haben dunkle Flecken auf dem Körper, die aber schon während des ersten Lebensjahres verblassen. In sehr seltenen Fällen bleiben diese Flecken auch beim erwachsenen Löwen sichtbar, aber stets undeutlich und nur aus der Nähe betrachtet.

Wie bei Tigern gibt es bei Löwen gelegentlichen Leuzismus; darunter versteht man das Auftreten von Löwen mit weißem Fell. Sie sind jedoch keine Albinos, da die dafür charakteristischen roten Augen fehlen. Die weiße Fellfarbe wird über ein rezessives Gen vererbt. Da weiße Löwen für potenzielle Beutetiere leichter zu sehen sind, haben solche Tiere es schwerer, zu überleben. Außerdem gibt es Berichte über Melanismus also schwarze Löwen, jedoch keinen Beweis über deren tatsächliche Existenz. Bei anderen Großkatzen, etwa Jaguar, Leopard und Puma sind schwarze Exemplare jedoch dokumentiert.

Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Löwen umfasste nicht nur Afrika, sondern auch das südliche Europa sowie Vorderasien und Indien. Im Eiszeitalter war er auch in Mitteleuropa mit den Unterarten Panthera leo fossilis und Panthera leo spelaea Höhlenlöwe sowie in Nordamerika verbreitet. Hier verschwand er aber beim Rückzug des Eises.
Die ältesten und größten Löwen in Europa jagten während der Cromer-Warmzeit vor mehr als 500.000 Jahren bei Wiesbaden in Hessen und bei Heidelberg in Baden-Württemberg. Diese Exemplare waren fast so lang wie die größten Löwen der Erdgeschichte in Kalifornien vor mehr als 12.000 Jahren, die eine Rekordlänge von maximal 3,60 Meter (Kopfrumpflänge: ca. 2,40 Meter, Schwanzlänge: ca. 1,20 Meter) erreichten. Ihre Zeitgenossen waren unter anderem Säbelzahnkatzen, Jaguare und Geparden (E. Probst: Rekorde der Urzeit, S. 153, München 1992).
Die meisten Löwenfunde in Europa stammen von eiszeitlichen Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea). Der Höhlenlöwe ist 1810 nach einem Schädelfund aus der Burggaillenreuther Zoolithenhöhle bei Muggendorf in Oberfranken (Bayern) beschrieben worden. In Mitteleuropa starben die Höhlenlöwen vor mehr als 12.000 Jahren aus.

Dass auf dem Balkan noch in der Antike Löwen lebten, berichten zahlreiche zeitgenössische Gelehrte (zum Beispiel Herodot, Aristoteles]). Man nimmt an, dass der Löwe in Europa durch menschliches Zutun im 1. Jahrhundert n. Chr. ausstarb.

Heute ist die Verbreitung weitgehend auf das Afrika südlich der Sahara beschränkt. Nördlich der Sahara starb die Art in den 1940er Jahren aus, ebenso wurden die asiatischen Löwenpopulationen während des 20. Jahrhunderts nahezu vollständig vernichtet. Ein kleiner Restbestand hat sich jedoch im Gir-Nationalpark in Gujarat (Indien) gehalten.

Früher kamen Löwen in allen Habitaten vor, mit Ausnahme von Wäldern. Das heutige Verbreitungsgebiet ist jedoch stark verkleinert. Das bevorzugte Habitat des Löwen ist die Savanne. Die Art kommt aber auch in Trockenwäldern und Halbwüsten vor, in Wüsten und Regenwäldern fehlt sie dagegen gänzlich.

Lebensweise

Sozialverhalten

Löwin
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Löwin

Im Gegensatz zu den übrigen, eher einzelgängerischen Großkatzen leben Löwen im Rudel. Ein solches Rudel besteht vor allem aus verwandten Weibchen. Die Größe des Reviers und die Anzahl der Beutetiere bestimmen dabei die Rudelgröße, die zwischen 3 und 30 Exemplaren liegen kann. Für gewöhnlich gibt es in einem Rudel ein bis drei ausgewachsene Männchen, die in der Rangordnung über dem Weibchen stehen. Das Revier eines Löwenrudels umfasst 20 bis 400 Quadratkilometer. Seine Grenzen werden mit Kot und Urin markiert, auch das weithin hörbare Gebrüll demonstriert den Anspruch der Revierinhaber.

Die jungen Männchen bleiben etwa zwei bis drei Jahre im Rudel, bis sie ihre Geschlechtsreife erreicht haben; danach werden sie vertrieben. Daher wechseln die Männchen eines Rudels alle zwei bis drei Jahre.

Wurde ein Männchen vertrieben, so streift es mitunter über Jahre umher und schließt sich meist einem anderen nomadisierenden Männchen an. Diese Bindung zwischen miteinander verwandten oder auch fremden Löwen kann dabei sehr stark werden. Die Nomaden legen in dieser Zeit sehr große Strecken zurück, respektieren keine Reviergrenzen, gründen aber auch keine eigenen Reviere. Da ein Männchen als Einzelgänger oft keinen Erfolg bei der Jagd hat, ernährt es sich vorwiegend von Aas.

Findet ein solcher Nomade ein Rudel mit einem alten oder schwachen Männchen an der Spitze, so greift er den Rudelführer an. Dies ist aber nicht immer erfolgreich. Solche Rangordnungskämpfe sind in der Regel blutig, und im Extremfall können sie tödlich enden. Verliert der alte Rudelführer den Kampf, so wird er vertrieben und führt dann seinerseits ein Leben als Einzelgänger. Oft stirbt er jedoch an den Folgen der Verletzungen.

Hat der Neuankömmling Erfolg, so kommt es häufig zum Infantizid das heißt er tötet die Jungen seines Vorgängers. Damit wird erreicht, dass die Weibchen nach kurzer Zeit wieder paarungsbereit sind und das neue Männchen seine Gene verbreiten kann. Im Gegensatz zu den Männchen verbringen die Weibchen in der Regel ihr gesamtes Leben in dem Rudel, in dem sie geboren wurden.

Fortplanzung

Löwen erreichen ihre soziale Geschlechtsreife im Alter von zwei bis drei Jahren, ihre physiologische in 18 Monaten. Um die Paarungsbereitschaft eines Weibchens festzustellen, benutzt der männliche Löwe das Jacobson-Organ, das sich am oberen Gaumen befindet. Dazu zieht der Löwe die Oberlippe zurück und öffnet leicht das Maul. Dieser Vorgang wird auch als Flehmen bezeichnet.

Auch wenn ein Männchen die Spitze der Rangordnung einnimmt, kann es sich mit einem Weibchen nur mit dessen Zustimmung paaren. Hierzu legt sich die Löwin auf den Bauch und erlaubt dem Männchen, sie zu besteigen. Während der Kopulation beißt der Kater der Löwin in den Nacken. Dadurch hält diese instinktiv still. Lässt eine Löwin die Kopulation zu, so paaren sie sich alle 15 Minuten zirka 40 Mal am Tag, wobei ein Kopulationsakt etwa 30 Sekunden dauert, bis die Paarungsbereitschaft der Löwin nach etwa fünf Tagen beendet ist. An der Gewilltheit der Weibchen, die Paarung einzugehen, kann ein Beobachter gut den Stellenwert des Männchens ersehen und wie wahrscheinlich es ist, dass es bald abgelöst wird.

Junge Löwen
Junge Löwen

Nach einer Tragzeit von etwa vier Monaten bringt die Löwin abseits vom Rudel und versteckt ein bis vier blinde Junge zur Welt, die jeweils etwa 1,5 kg wiegen und 50 cm groß sind. Sie werden etwa sechs bis acht Wochen nur von der Mutter gesäugt und bleiben während dieser Zeit auch im Versteck. Ist dieses weit vom Rudel entfernt, geht die Mutter allein auf Jagd. Dabei kann es vorkommen, dass das Junge bis zu 48 Stunden allein im Versteck ist. Dies ist besonders wegen Hyänen und anderer Raubtiere gefährlich. Nach maximal 8 Wochen führt die Löwin ihr Junges zum Rudel. Dabei gibt es selten Probleme mit der Akzeptanz.

Die jungen Löwen saugen ab diesem Zeitpunkt nicht nur bei der Mutter, sondern auch bei den anderen Weibchen, so dass die Erziehung allen weiblichen Mitgliedern des Rudels obliegt. Im Alter von sechs Monaten werden Löwenjunge entwöhnt, und bleiben dann noch ungefähr zwei Jahre bei der Mutter.

Die Lebensdauer eines Löwen kann vierzehn bis zwanzig Jahre betragen. In der Regel erreichen jedoch nur Weibchen ein solches Alter. Männchen werden lange vorher von einem jüngeren Konkurrenten getötet oder vertrieben, finden kein Rudel mehr und verhungern. Häufig werden sie daher nicht älter als sieben bis zwölf Jahre. Im Zoo haben manche Löwen jedoch bis zu 34 Jahre gelebt.

Ernährung

Den Löwen fallen vor allem Jungtiere oder kranke Tiere zum Opfer. Sie jagen meist bei Dunkelheit oder in den kühlen Morgenstunden. Da Löwen nicht gerade ausdauernde und schnelle Läufer sind, zirka 60 km/h auf Kurzstrecken, ist meistens die gemeinsame Jagd die einzige Möglichkeit, Beute zu schlagen. Nur zirka jeder fünfte Jagdversuch ist dabei von Erfolg gekrönt. Zu den Beutetieren gehören vor allem Antilopen, Gazellen, Gnus, Büffel und Zebras, aber auch Hasen, Vögel und manchmal Fische. In manchen Gegenden speziallisieren sich Löwen auch auf ausgefallene Beutetiere. So schlagen Löwen im Savuti regelmässig Elefanten und am Linyanti Flusspferde (beides im Chobe NP, Botswana). Junglöwen gehen im Alter von drei Monaten zum ersten Mal mit der Mutter zur Jagd. Erst im Alter von zwei Jahren haben sie die Jagdkunst erlernt.

Löwen und Elefanten im Savuti
Löwen und Elefanten im Savuti

Die Strategie des Löwen ist dabei die Anschleichjagd. Die Löwinnen umkreisen die Beute und schleichen sich geduckt oft über mehrere hundert Meter an die Beute heran, wobei jede Deckung ausgenutzt wird. Dabei jagen sie sich auch gegenseitig die Beute zu. Je näher sie der Beute kommen, desto mehr wird auf die Deckung geachtet. Ist eine Distanz von zirka 30 Metern erreicht, so wird die Beute von der Löwin mit mehreren Sätzen angesprungen. Jeder Sprung ist dabei etwa 6 Meter lang. Die Beute wird durch einen Kehl- oder Nackenbiss getötet.

Die Männchen beteiligen sich nur in Ausnahmefällen an der Jagd, zum Beispiel wenn es um große Beutetiere geht. Nach dem Jagderfolg kommt die Rangfolge im Rudel zum Tragen. Das Männchen darf zuerst fressen, es folgen die ranghöchsten Weibchen, zuletzt die Jungen. Am Kadaver kommt es nicht selten zu Rangkämpfen, bei denen sich die Rudelmitglieder blutige Wunden holen.

Oft fressen Löwen auch Aas. Männliche Löwen, die aus einem Rudel vertrieben worden sind, verlegen sich notgedrungen ausschließlich auf solche Nahrung. Sie sind sehr rabiat dabei, andere Raubtiere wie Leoparden oder Geparden von der Beute zu vertreiben. Oft vertreibt der Löwe auch die Tüpfelhyäne von ihrer Beute - und nicht umgekehrt, wie früher angenommen wurde.

Löwen und Menschen

Löwen gehören zu den bekanntesten Tieren und zählen zu den „Big Five“, den fünf prominenten Großwildarten Afrikas. Unter den Big Five (engl. für die großen Fünf) verstanden früher die Afrika bereisenden Großwildjäger die fünf großen Säugetierarten (Afrikanischer Elefant,Nashorn,Afrikanischer Büffel,Löwe,Leopard) deren Trophäen das Hauptziel ihrer Jagdsafaris waren.

Gefährdung

Wie bei fast allen Großtieren Afrikas geht die Hauptgefährdung der Löwen durch den Menschen von der Jagd aus. Diese wurde jedoch in den letzten Jahren in beinah allen Verbreitungsgebieten auf ein niedrigeres Maß zurückgeschraubt.

Krankheiten stellen ein weiteres Problem dar, vor allem im südafrikanischen Krüger-Nationalpark. Seit 1995 hier zum ersten Mal ein tödlicher Fall von Tuberkulose bei den Löwen aufgetaucht ist, wurden im Kruger-Park umfassende Untersuchungen durchgeführt. Das Ergebnis war, dass im südlichen Bereich des Parks mehr als 90 Prozent der Tiere mit den tödlichen Bakterien infiziert waren. Die Infektion stammt von Büffeln, die von Löwen gejagt werden und durch den Kontakt mit infizierten Hausrindern die Krankheit in den Park eingeschleppt haben. Die Rinder leiden zu etwa 70 Prozent an einer Lungentuberkulose, bei den Löwen manifestiert sich die Krankheit vor allem im Verdauungssystem. Die Tiere werden schwächer, magern extrem ab und sterben innerhalb weniger Jahre. Neben dieser Tuberkulose gibt es noch eine zweite Krankheit unter den Löwen. Etwa 60 bis 70 Prozent der Löwen sind mit einem Virus namens FIV (Feline Immunodeficiency Virus) infiziert, einem dem menschlichen HI-Virus sehr ähnlichen Krankheitserreger, der die Immunabwehr der Tiere lahmlegt und so der Tuberkulose den Weg ebnet. Gegen beide Erreger gibt es keine Impfstoffe.

Schätzungsweise leben noch etwa 16.000 bis 30.000 Löwen in freier Wildbahn. Die IUCN ging 2004 davon aus, dass die Löwenbestände weltweit in den letzten zwanzig Jahren um 30 bis 50 % zurückgegangen sind. Die Gründe für den Rückgang werden noch untersucht, sind aber weitgehend rätselhaft.

Löwen in Religion und Mythologie

Sphinx von Gizeh
Sphinx von Gizeh

Bereits die eiszeitlichen Jäger in der Kulturstufe des Aurignacien haben vor mehr als 30.000 Jahren den Löwen dargestellt. Zu den eindrucksvollsten Kunstwerken aus jener Zeit in Deutschland gehört die aus Mammutelfenbein geschnitzte, fast 30 Zentimeter hohe Frauenfigur mit dem Kopf einer Höhlenlöwin aus der Höhle Hohlenstein-Stadel in Baden-Württemberg. Sie verkörperte vielleicht eine Gottheit. In vielen Kulturen hat der Löwe eine Stellung als „König der Tiere“ eingenommen, die auf den Einfluss des Physiologus zurückzuführen ist, eines frühchristlichen Buches über Tiersymbolik von allgemein großem Einfluss auf die westliche Kultur. Die von ihm ausgehende Faszination wird durch die Vielzahl von Wappen deutlich, auf denen er abgebildet ist. So findet man den Löwen beispielsweise auf den Wappen von Hessen, Schleswig-Flensburg, Zürich, Aquitanien und Montenegro sowie als Heinsberger Löwe und Jülicher Löwe. Dass er den Europäern überhaupt bekannt wurde, liegt daran, dass Löwen einst rund um das Mittelmeer verbreitet waren. In der griechischen Mythologie erscheinen Löwen in verschiedener Funktion: Der Nemeische Löwe wurde als eine menschenfressende Bestie dargestellt, den zu töten eine der zwölf Aufgaben des Herakles war. In der Geschichte von Androkles, einer der Fabeln des Äsop, zieht der Held, ein entlaufener Sklave, einem Löwen einen Dorn aus der Pfote; als er später zur Strafe für seine Flucht den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden soll, erkennt ihn das Tier wieder und weigert sich, den Mann zu töten.

In zahlreichen antiken Kulturen spielte der Löwe eine Rolle. In Ägypten wurden Pharaonen als Sphingen dargestellt, Löwen mit Menschenkopf. Die berühmteste derartige Darstellung ist der Große Sphinx von Gizeh. Die ägyptische Mythologie kannte auch Dedun, den oberägyptischen Gott des Reichtums.

Am nördlichen Sternenhimmel gibt es gleich zwei nach diesem Tier benannte Sternbilder: den Löwen und den Kleinen Löwen. Bei ersterem soll es sich um eine Inkarnation des Nemeischen Löwen handeln, während letzterer eine Neuschöpfung des 17. Jahrhunderts war.

Dass der Löwe bis heute ein Image als mächtiges, starkes Tier hat, zeigt sich daran, dass sich bis in die jüngste Gegenwart Menschen nach ihm benennen. Der afghanische Kriegsherr Ahmad Schah Massoud beispielsweise wurde von seinen Anhängern "der Löwe von Pandschir" genannt.

Menschenfressende Löwen

In Afrika fallen weitaus mehr Menschen dem Flusspferd zum Opfer als dem Löwen. Auch der Leopard steht in dem Ruf, Menschen gefährlicher zu sein als diese Großkatzenart. Trotzdem sind einige Fälle von Löwen überliefert, die gezielt Jagd auf Menschen machten. Zu den bekanntesten Fällen gehören zwei Löwen, die im Jahr 1898 im damaligen Britisch-Ostafrika, dem heutigen Kenia, zahlreiche indische und afrikanische Arbeiter töteten, die am Bau einer Eisenbahnbrücke über den Tsavo-Fluss beschäftigt waren. Diesen zwei Löwen werden 135 Opfer zugeschrieben. Die Bauarbeiten an der Brücke kamen zum Erliegen, als die Löwen auch in Camps eindrangen, die mit hohen Dornenwällen umfriedet worden waren und dort Menschen töteten und fraßen. Der Leiter des Bauprojektes, der britische Oberstleutnant John Henry Patterson benötigte neun Monate, um die zwei Löwen aufzuspüren und zu erlegen. Beide Löwen erwiesen sich als gesunde männliche Tiere, die mähnenlos waren und von einer ungewöhnlichen Körpergröße. Sie waren von der Schwanzspitze an 2,95 beziehungsweise 2,90 Meter lang und hatten eine Schulterhöhe von 1,20 bzw. 1,15 Meter.

Die Vorkommnisse während des Brückenbaus am Tsavo-Fluß inspirierten zwei Hollywood-Produktionen: Der erste kommerzielle 3-D-Film, der im Jahre 1952 gedreht und in Deutschland unter dem Titel "Bwana, der Teufel" veröffentlichte wurde, und ein Film des Jahres 1996 mit dem Titel "The Ghost and the Darkness" (Der Geist und die Dunkelheit) griffen dieses Ereignis auf. Die beiden erlegten Löwen sind im Field Museum in Chicago zu bestaunen.

Unterarten

Der Asiatische Löwe

Weitere Unterarten

Sonstiges

Literatur

Weblinks

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